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Single As Fuck – Zurück im Datingdschungel

written by Miriam 16. Oktober 2017

Joshua Ness

Ich bin jetzt seit fast einem halben Jahr wieder Single. Und auch, wenn mir das Alleinsein ziemlich gut gefallen hat, ich nach meiner schlimmen Trennung im April unter Tränen allen Männern abgeschworen und mich schon mit der Idee arrangiert hatte, meine liebe Freundin Miriam zu heiraten, habe ich in einer etwas betrunkenen Nacht Tinder heruntergeladen und los geswipet. Dazu muss ich sagen, dass ich die App alle zwei Monate, wenn mal wieder zu viel Alkohol im Spiel war, downloade, dann fröhlich Leute matche, aber am nächsten Tag auch alle wieder lösche ohne mit jemandem geschrieben zu haben. Demnach hatte ich in meinem Leben nur ein einziges Date, das dank Tinder entstanden ist. Und das war vor über einem Jahr und ziemlich grauenvoll. Trotzdem hatte ich mich in besagter Nacht bei meinen Freunden mal wieder darüber ausgelassen, dass ich seit Monaten keinen Sex mehr hatte und langsam auf dem Zahnfleisch lief. Der männliche Teil unserer Viererrunde war etwas peinlich berührt, doch meine Freundin Bibi wusste rat: „Dann nimm doch Tinder! Wenn du eh nur flach gelegt werden willst passt das doch!“.

Wischen, wischen, wischen…

Gesagt getan. Ich hatte die App schon vor einigen Tagen herunter geladen, aber noch nicht wirklich benutzt. Gut angetrunken und mit der Tatkräftigen Hilfe von Bibi („Nee, der ist nicht hübsch genug für dich!“) swipte ich mich durch gefühlt halb Hamburg. Irgendwann hatte ich das ein oder andere Match, als plötzlich ein blaues Profil mit Sternchen aufpoppte. Bei Tinder kann man nämlich Leute, die man besonders „interessant“ findet, mit einem Super Like versehen. Somit sieht diese Person von Anfang an, dass man interessiert ist. Liebe Männer: An dieser Stelle sei gesagt, dass nichts abschreckender ist als ein Super Like bei Tinder. Uns Frauen ist eh schon bewusst, dass ihr euch nicht für unseren tollen Charakter begeistert, wenn ihr euch auf solch einer Platform herum treibt. Uns geht es da ja nicht anders. Aber das blaue Sternchen wirkt zumindest auf mich immer wie eine Aussage à la „dich würd ich sehr gerne flach legen“ – Wir wissen alle, warum man solche Apps benutzt, da muss es einem nicht noch extra auf einem Tablett vorgesetzt werden.

Ich hatte also schon halb nach links gewischt, ohne mir das Profil genauer anzuschauen, als sich Bibi mein Handy schnappte und das Profil anschaute. „Der ist doch süß! Guck mal, der ist sogar Brite und hat eine Katze!“. Ohne Frage hatte der Super Like Mann das Herz meiner Freundin bereits im Sturm erobert. Na gut, dann schaue ich mir den Kerl eben auch mal an, dachte ich. Und siehe da, er war ja wirklich ganz süß. Auch wenn ich innerlich schon mit den Briten abgeschlossen hatte sagte mir meine betrunkene innere Stimme, dass ich allein schon wegen der Katze nach rechts wischen sollte. Gesagt getan. Natürlich war klar, dass es ein Match geben würde. Und dann tat ich etwas, das eigentlich eher untypisch ist. Ich schickte dem Briten eine Nachricht. Da es schon weit nach Mitternacht war, erhielt ich an diesem Tag natürlich keine Antwort mehr. Irgendwann gegen 3 oder 4 Uhr morgens taumelte ich dann nach Hause und schlief mich erstmal aus. Am nächsten Tag wachte ich mit Kopfweh und Übelkeit auf. Hallo Kater! Eigentlich wollte ich mich mit einer Freundin treffen, aber ich kam an dem Tag einfach nicht aus dem Bett. Und was tut man an so einem schön verkaterten Sonntag? Genau: Viel Wasser, viel Netflix und viel am Handy hängen. Demnach verbrachte ich den Tag damit, mit dem Briten zu schreiben, denn was besseres hatte ich ja eh nicht zu tun. Und es stellte sich heraus, dass er wirklich ganz intelligent, lustig und vor allem interessant zu sein schien.

Wie ging das nochmal mit dem daten?

Da ich kein großer Freund von Nachrichten bin, gab ich meiner Meinung nach ziemlich eindeutig zweideutige Hinweise, dass man sich ja mal treffen könnte. Sowas wie „Wie du hast noch nie den Hafen gesehen? Der ist aber einen Besuch wert!“ oder „In der Schanze gibt es total viele schöne Bars, falls du mal was suchen solltest.“. Nichts davon führte zu einer Einladung zum gemeinsamen Erkunden des Hafens oder einem trauten Abend in einer Bar… Mein lieber Mitbewohner holte mich dann auch schnell auf den Boden der Tatsachen zurück: „Männer verstehen sowas nicht Miriam. Sag was du willst, sonst wird das nie was.“. Ein überraschend einfacher, aber guter Rat. Vier Tage später hatte ich dann meine erste Verabredung mit dem Super Like Mann. Das einzige Problem an der Sache war: Ich hatte mein letztes richtiges erstes Date vor über anderthalb Jahren… Wie ging das also nochmal mit dem daten?

Gut, um ehrlich zu sein wollte ich gar nicht so unbedingt ein richtiges erstes Date haben. Eigentlich wollte ich mir einen schönen Abend machen, der eventuell noch netter zu Hause endete und dann würde man sich vermutlich nicht wieder sehen. So funktioniert Tinder doch schliesslich, oder nicht? Auf der Suche nach der großen Liebe bin ich nämlich nun wirklich nicht. Also machte ich mich mit meinen nicht ganz so ritterlichen Absichten auf in die Hafen City, wo ich mich mit meinem Briten treffen sollte. Den ganzen Weg über war ich kaum nervös, schliesslich konnte ich das Date aus irgendwelchen fadenscheinigen Gründen jederzeit beenden. Doch als wir uns dann gegenüber standen, rutschte mir mein Herz dann doch in die Hose. Mein Tinder Match sah in der Tat so aus, wie auf seinen Fotos. Und das kommt von jemandem, der nicht so aussieht wie auf seinen Fotos. Nach einigen anfänglichen Höflichkeiten („Hast du gut her gefunden?“, „Wie geht es dir?“, „Wie lange wohnst du schon in Hamburg?“) und nachdem sich mein Englisch halbwegs eingependelt hatte, begannen wir unseren Rundgang Richtung Hafen. Bereits nach nur einem Kaffe to go, vielen schlechten Witzen und einem ziemlich interessanten Gespräch über Videospiele war mir klar, dass ich mein Gegenüber jetzt schon mehr mochte, als ich mir vorgenommen hatte. Mist. Vier weitere Stunden später fand ich mich in einer Rock/Metal Bar wieder. Wer mich kennt weiß, dass man mich eher auf der Tanzfläche irgendeines Techno Clubs findet, als in solch einem Etablissement. Nun mag der Brite aber diese Art von Musik lieber und ich bin was sowas angeht eigentlich offen für alles. Noch nie habe ich mich so auffällig gefühlt, wie in dieser Bar. Meine pfirsichfarbenen Reeboks waren das farbenfrohste, was sich in diesem Lokal finden ließ. Nach ein paar Minuten war mir das aber relativ egal, da sich mein Brite als ein unglaublich guter Küsser heraus stellte. Long Story Short: Gegen 5 Uhr morgens begaben wir uns dann Richtung Bahnstation und fuhren gemeinsam nach Hause.

Und nu?

Ich hatte mir den Morgen danach irgendwie unangenehmer vorgestellt. Zwar war ich mir anfangs nicht sicher, ob er einfach nach dem Aufstehen seine Sachen nehmen und gehen würde, aber es stellte sich schnell heraus, dass er es damit nicht eilig hatte. So verbrachten wir also den halben Tag mit Kaffe im Bett und unterhielten uns über Gott und die Welt. So viel zu meinem geplanten One Night Stand… Irgendwann am Nachmittag machte er sich dann zu sich nach Hause auf und ich hatte den Rest des Tages Zeit, um meine wirren Gedanken zu ordnen. Wir hatten unsere Nummern am Ende ausgetauscht und gesagt, dass man sich ja nochmal wieder sehen könnte. Eigentlich sprach nichts dagegen außer der Tatsache, dass ich mir in den Kopf gesetzt hatte, mich nicht direkt wieder auf jemanden ein zu schiesse. Drei Tage lang zerbrach ich mir den Kopf darüber, ob ich einem zweiten Treffen zustimmen wollte. Nur um schlussendlich zu realisieren, wie dumm ich mich eigentlich gerade benahm. Letztendlich verkaufte ich hier ja nicht gerade meine Seele an den Teufel, sondern traf mich mit einem Mann, mit dem ich mich gut verstand. Wir mussten ja nicht gleich heiraten. Außerdem konnte ich ganz allein bestimmen, wie ernst das Ganze werden sollte. Also tat ich das, was sich richtig anfühlte und schlug vor, doch mal gemeinsam einen Burger essen zu gehen.

Jetzt drei Wochen später habe ich schon einige Treffen hinter mir. Von Zoo bis Ikea war alles dabei. Und sobald ich mir aufgehört Sorgen darüber zu machen, wo das Ganze denn jetzt hier hinführen sollte, konnte ich die Zeit mit meinem Briten auch echt genießen. Wir verbringen einfach schöne Momente miteinander, ganz ohne Erwartungen oder Forderungen. Vielleicht führt das alles irgendwann zu einer Beziehung oder was auch immer, aber für den Moment ist es einfach schön so, wie es ist. Und um die Frage zu beantworten, die vermutlich im Raum steht: Ja, wenn sich Dinge so ergeben, würde ich mich auch noch mit anderen Männern treffen. Und dafür muss ich mich auch absolut nicht schämen, nur weil ich eine Frau bin. Bei Edition F habe ich vor einiger Zeit mal einen Artikel zu dem Thema „Warum Frauen genauso viel Sex haben dürfen wie Männer“ veröffentlicht, deshalb werde ich mich zu diesem Thema hier nicht mehr auslassen. Allerdings werde ich nicht mehr aktiv wie zum Beispiel auf Tinder suchen. Die App habe ich gestern auch wieder von meinem Handy gelöscht. Einmal hat das Ganze für mich jetzt funktioniert, aber trotzdem ist mir das ganze Gewische auf die Dauer zu anstrengend. Aber hey, wenn ihr euch in einer ähnlichen Situation wie ich befindet, probiert Tinder oder ähnliche Apps doch einfach mal aus. Mehr als ein paar Stunden bei einem langweiligen Date habt ihr nicht zu verlieren. Für mich war mein kleines Tinder Abenteuer auf jeden Fall ein Gewinn – Dank fürs nach rechts wischen Bibi!

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