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Single as Fuck – Eigentlich bin ich ganz glücklich

written by Miriam 11. September 2017

Brigitte Tohm

Ich bin nun seit gut vier Monaten Single. Und obwohl die Wochen nur so an mir vorbei gerast sind, ich sie am Anfang noch heulend im Bett verbracht habe und später von meinen Freunden wieder in die Wirklichkeit gelockt wurde, hat sich rückblickend einiges geändert. Und zwar zum Guten. Vor zwei Wochen bin ich runter in die Heimat gefahren, da meine liebe Freundin Eva nach einem Jahr aus Mexiko zurück gekehrt ist und wir das natürlich gebührend feiern mussten. Und als ich sie dann gesehen habe, braun gebrannt, in einem hübschen blauen Kleid und einem Strahlen im Gesicht und sie mich fragte, wie es mir denn gehen würde wurde mir klar, dass es darauf nur eine, für mich ziemlich überraschende und trotzdem wahrheitsgetreue Antwort gab: Mir geht es nach Monaten, vielleicht sogar Jahren einfach und ohne wenn und aber gut.

Diese Erkenntnis traf mich in dem Moment wie ein Schlag und ich habe die letzte Woche damit verbracht darüber nach zu denken, wie es eigentlich dazu kommt, dass ich wirklich glücklich bin und mich gut in meinem Körper fühle. Und das obwohl ich doch dachte, ich bräuchte jemanden in meinem Leben, der mich aufbaut und mein größter Fan ist, weil ich das für mich selbst nicht sein kann. Ein fester Freund eben. Schliesslich habe ich es noch nie auf die Reihe bekommen, einfach mal in den Spiegel zu schauen und zu mir selbst zu sagen: „Hey, dein Leben ist vielleicht gerade ein bisschen chaotisch, aber du bist ein toller Mensch und wirst das schaffen!“. Seit ich 18 Jahre alt war, hatte ich eigentlich non-stop einen Freund. Vielleicht mal mit 3 Monaten Pause dazwischen, aber das war auch das höchste der Gefühle. Ich hangelte mich die letzten 4 Jahre einfach von Beziehung zu Beziehung. Und konnte dadurch natürlich auch nie etwas vernünftig verarbeiten. Rückblickend ist das natürlich schön dämlich und zeugt einfach nur von Unsicherheit, dass ist mir jetzt klar.

Letztes Jahr im April machte mein damaliger Freund mit mir Schluss und bei einem Skype Gespräch, dem ich in Tränen aufgelöst beiwohnte, sagten mir dann meine zwei liebsten Freundinnen etwas, dass ich schon lange hätte hören müssen: „Wie wäre es denn, wenn du einfach mal ein bisschen für dich bleibst und nicht direkt wieder den nächsten Mann suchst, der dir durchs Leben helfen soll?“ Bäm. Das wurden mir einfach rational die Fakten vor die Nase geknallt. Leider scheiterte es damals an der Umsetzung. Ich versuchte trotzdem noch, wenn auch nur unterbewusst, jemanden für etwas langfristiges zu finden. Irgendwie hatte ich das verrückte Gefühle dass ich unbedingt jemanden in meinem Leben bräuchte und dass das, was ich brauchte mir nur von einem Partner gegeben werden konnte. Spulen wir vor zum April diesen Jahres, wo ich wieder mehr oder weniger abserviert wurde. Jaja, der April ist nicht wirklich mein Freund. Wieder gab es das Gespräch mit meinen Freundinnen und wieder sagten sie mir, dass ich erstmal mit mir selbst ins Reine kommen müsste, bevor ich mich wieder Kopf über in eine neue Beziehung stürzte. Doch dieses Mal nahm ich mir ihren Rat aus irgendeinem Grund zu Herzen. Natürlich vermisste ich meinen Ex-Freund immer noch, doch ich ignorierte diese Gefühle nicht einfach, sondern sprach darüber und versuchte sie so zu verarbeiten. Mir war auch nicht mehr wichtigen, sofort jemanden neues zu finden. Ich hatte die Nase einfach gestrichen voll von Beziehungen.

Vor einer Weile hatte ich schonmal darüber geschrieben, dass Freunde die besseren Dates seien. Sie waren vermutlich auch der ausschlaggebende Punkt, der mich davon überzeugte, dass ich auch „alleine“ durchs Leben kommen konnte. Ich umgab mich mit Freunden, die mir Mut zusprachen und die mir gesammelt alles das gaben, was ich immer von einer einzelnen Person erwartet hatte. Langsam aber sicher fing ich an daran zu glauben, wenn Anni mir sagte, dass sie meine Witze lustig fände. Oder das mein Freund Martin sich nicht immer nur aus Mitleid bei mir meldet, sondern dass er mich vielleicht wirklich mag und gerne Zeit mit mir verbringt. Auf magische Weise passierte das, was ich mir seit Jahren gewünscht hatte. Ich öffnete mich den Leuten gegenüber. Auf der Arbeit mache ich mittlerweile ungezwungene Späßchen mit den Kunden und verstehe mich gut mit meinen Kollegen. Ich schreibe meinen Freunden, wenn ich mich einsam fühlte und vergrabe mich nicht wie sonst, mit Netflix im Bett. Über kleinere Schwierigkeiten die ich natürlich immer noch habe spreche ich mit meiner Therapeutin. Ihre Tipps und Tricks, wie ich im Alltag besser mit sozialen Ängsten umgehen und wie ich mich als Person akzeptieren und lieben lernen kann (hierzu kommt nich ein Mental Health Monday nächste Woche), nehme ich mir auf einmal mehr zu Herzen. Das erste Mal in meinem Leben habe ich einfach Spaß, ohne Hintergedanken oder Vorwürfen mir gegenüber am nächsten Tag. Und das alles ohne einen Mann in meinem Leben.

Ich mache zwar immer Witze darüber, dass ich nie Dates habe und mich ab und an mal alleine fühle nachts im Bett, aber wenn wir ehrlich sind, stimmt das überhaupt nicht. Klar, menschliche Triebe kann man nicht einfach so abstellen, aber im Jahr 2017 kann man selbst als Frau einfach einen netten Abend mit anschließendem unverbindlichen Sex genießen, ohne direkt dafür gesteinigt zu werden. Dafür muss ich mich nicht in einer Beziehung befinden.
Natürlich habe ich der Liebe jetzt nicht abgeschworen, aber es gelten erstmal andere Prioritäten für mich. Wie soll ich mich ernsthaft auf jemanden einlassen, wenn ich noch nicht mal weiß, wo es für mich nächstes Jahr hingehen wird? Gerade dreht sich erstmal alles nur um mich. Und nein, das ist überhaupt nicht egoistisch, das ist gesund. Denn ich habe endlich verstanden, dass ich keinen Beziehung bzw. einen Partner in meinem Leben brauche, um mich gut zu fühlen. Daran geht im Endeffekt auch jede Liebe kaputt.

Von jetzt an heißt es also erstmal mit mir selbst ins Reine zu kommen. Ich möchte auf Parties gehen und Spaß haben, ohne Angst vor neuen Bekanntschaften zu haben zu müssen. Ich möchte meine verrücktesten Teile aus dem Kleiderschrank tragen können, ohne mir Gedanken darüber zu machen, dass mich vielleicht jemand schief anschaut. Ich möchte mich gerne ganz in Ruhe darauf konzentrieren, wie es nach zwei abgebrochenen Studiengängen jetzt weitergehen wird, ohne ständig den Druck der Gesellschaft auf mir spüren zu müssen. Und klar, bei all diesen Sachen helfen mir meine Freunde unheimlich. Die möchte ich wirklich nicht missen. Aber am Ende bin ich diejenige, die sich mit dem ganzen Kram herum schlagen oder fiel eher daran wachsen muss. Und ich habe für mich einfach gemerkt, dass ich mich meistens hinter einer Beziehung verstecke und mich nur auf das Wohlergehen meines Partners konzentriere. Von daher heißt es jetzt erstmal: You do you! Und wie gesagt, eigentlich bin ich im Moment ziemlich glücklich mit dieser für mich neuen Lebensweise.

Miriam

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Single As Fuck - Zurück im Datingdschungel - The Pink Flamingo Diaries 16. Oktober 2017 at 13:29

[…] bin jetzt seit fast einem halben Jahr wieder Single. Und auch, wenn mir das Alleinsein ziemlich gut gefallen hat, ich nach meiner schlimmen Trennung im April unter Tränen allen Männern […]

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