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Single As Fuck – Und dann war ich wieder allein

written by Miriam 15. Juli 2017

Photo by Jean Gerber on Unsplash

Es ist jetzt Samstag Mittag und seit Tagen tigere ich um meinen Laptop herum, denn eigentlich sollte dieser Artikel schon gestern online gehen. Nachdem ich jetzt die Wohnung geputzt, alle neun Staffeln von Ru Paul’s Drag Race beendet und danach noch die Webserie „UNHhh“ auf YouTube durchgeschaut habe, gehen mir langsam die Ausreden aus. Sehen wir der Tatsache ins Auge. Das Letzte was ich mir fast drei Monate nach der Trennung eingestehen möchte ist, dass ich wieder allein bin. Oder noch schlimmer: Einsam. Niemals würde ich das zugeben. Schon gar nicht vor anderen Menschen. Schliesslich möchte ich das Bild von der starken und unabhängigen jungen Frau waren, die keinem Mann hinterher weinen muss und als Single sowieso viel besser dran ist. Überraschung: Die Wahrheit sieht anders aus.

Die Wahrheit ist nämlich, dass ich kurz davor bin mir einen kleinen süßen Welpen zu kaufen, dass ich meinem armem Mitbewohner immer vorjammere, wie einsam ich bin und dass ich mittlerweile zwei neue paar Schuhe, eine schnieke Sonnenbrille und viel zu viel neues Make Up besitze. Denn wie kann mein ein gebrochenes Herz besser reparieren, als mit einem überzogenem Konto? Man siehe dazu den Artikel Shopaholic, den ich vor einigen Wochen dazu geschrieben habe.
Okay, es sei fairer Weise gesagt, dass ich vor zwei Wochen einen kleinen Rückschlag erlitten habe auf meinem Weg der Besserung. Ich hatte mein Herzchen eigentlich halbwegs wieder zusammen gebastelt, auch dank tatkräftiger Unterstützung von Freunden, da erhielt ich in einer Samstagnacht eine Nachricht von meinem Exfreund. Aber nicht der Art „Oh honey, I miss you so much. I know, I fucked it up.“ – Nein. Mir wurde nur irgendein Link zu der neuen Staffel von Rick & Morty geschickt. Wow, das erhofft man sich doch von dem Mann, der drei Monate zuvor mit einem Schluss gemacht hat. Die neusten Infos zu einer Serie, die man gemeinsam geschaut hat. Danke, aber nein danke.

Diese eigentlich total unbedeutende Nachricht hat mich ziemlich unvorbereitet getroffen. Eigentlich weine ich nicht schnell, das ist mir unangenehm und irgendwie bin ich auch meistens zu stolz, mir diese „Schwäche“ einzugestehen. – Totaler Quatsch, ich weiß. Aber in dem besagten Moment konnte ich einfach nicht mehr an mich halten. Denn wenn wir ehrlich sind wünsche ich mir bis heute wie ein dummes Ding nichts anderes als eine Nachricht mit dem Inhalt: „I want you back.“ Doch die bekam ich an dem Abend nicht und vermutlich werde ich sie auch nie erhalten. Tränen flossen daher wie Sturzbäche und in genau diesem Augenblick, auf der Treppe im Haus meines Vaters nur zwei Meter von der Geburtstagsfeier entfernt, die an diesem Abend stattfand sah ich ein: Okay, du bist noch lange nicht über die Trennung hinweg. Aber vor allem fühlst du dich einfach furchtbar alleingelassen und einsam.

Nüchtern betrachtet hat sich an meiner Situation seit der Trennung nicht viel geändert. Wie man vielleicht vermuten konnte, habe ich eine Fernbeziehung nach Großbritannien, genauer gesagt Schottland, geführt. Kennengelernt hatten wir uns vor einem Jahr auf Bali. Ich weiß, alles Todes romantisch… Bla bla bla… Als also Schluss war musste ich keine Angst haben, ihm oder seinen Freunden über den Weg zu laufen. Meine Bettwäsche roch nicht nach ihm, schliesslich hatten wir uns das letzte mal vor über einem Monat gesehen. Hamburg war immer noch mein Hoheitsgebiet, eigentlich ja ganz Deutschland. Demnach veränderte sich in meiner Tagesroutine nicht viel. Wir schrieben uns nur keine Nachrichten mehr. Aber vielleicht war gerade das das Problem. Es fühlte sich nicht viel anders an. Ich dachte immer noch täglich an ihn und hatte bei allem, was ich so am Tag erlebte, das Bedürfnis ihn daran teilhaben zu lassen und irgendwie rechnete ich immer damit, ihn in einem Monat wieder zu sehen.
Bis zur besagten Nacht, in der ich die Nachricht erhalten habe, hatte ich mich also halbwegs mit meiner Situation arrangiert. Ich dachte einfach nicht wirklich darüber nach, was ich fühlte. Verdrängen hat ja immer gut geklappt. Aber jetzt wo mir bewusst geworden ist, dass ich mich unter der vermeintlich starken Schale einfach nur einsam und alleine fühle, stellt sich mir nun die unvermeidliche Frage: Was mache ich jetzt damit? – Ehrlich, ich habe keine Ideen. Leider bin ich kein Mensch, der auf Andere zugeht, wenn er sich wirklich schlecht, oder in meinem Fall einsam fühlt. Schliesslich möchte ich niemanden damit belästigen. Wie ihr merkt, stehe ich mir bei der Lösung des Problems selbst im Weg. Denn wie soll man die Einsamkeit bekämpfen, wenn man sich von niemandem dabei helfen lässt?

Meine Aufgabe für die nächsten Wochen und Monate wird also heißen: Reiß die Mauern nieder! Nieder mit der sozialen Kartoffel, die einsam in ihrem Zimmer vor sich hin siecht! Anni und ihr Freund nennen es immer liebevoll „in die soziale Friteuse“ schmeißen, wenn ich mich mal wieder aus allen sozialen Aktivitäten zurück ziehe, die mir dabei helfen könnten mich besser zu fühlen. Die Beiden sind einfach die Besten darin, mich aus der Wohnung zu zerren, weil sie wissen, dass soziale Interaktion mit Menschen, die mich gern haben, immer noch das Beste ist.

So betrachtet stelle ich mir also die Frage: Wie kann ich mich überhaupt einsam fühlen, wenn ich von solch tollen Menschen umgeben bin, die mehr als bereit sind, mich aus meiner Einsamkeit zu holen? Vielleicht fühle ich mich gerade einsam, da die Trennung noch nicht ganz verarbeitet ist. Aber dieses Gefühl lässt sich nicht, wie ich mir das vorgestellt habe, nur von meinem Eifreund lösen, der mich zurück will. Besser als auf einen unrealistischen Traum zu warten ist es doch sich einfach mal im hier und jetzt umzuschauen, seine Lieblingsmenschen an die Hand zu nehmen und einen schönen Tag gemeinsam zu verbringen. Und auf einmal, ist man gar nicht mehr so allein. Denn Partner kommen und gehen, doch Freunde bleiben für immer. War da nicht irgendwas in der Art?

Miriam

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