Home Column Let’s talk about… Wieder ein Jahr älter – Was ich im letzten Jahr gelernt habe

Let’s talk about… Wieder ein Jahr älter – Was ich im letzten Jahr gelernt habe

written by Miriam 14. Januar 2018

Brooke Lark

Am Montag war es wieder soweit. Mein Geburtstag stand an. Ganze 23 Jahre bin ich alt geworden. Ich weiß: „Das ist doch noch kein Alter!“, „Das ganze Leben liegt noch vor dir!“, „Hach, wenn ich nochmal so jung wäre..“, bla bla bla… All diese Sätze wurden mir schon um die Ohren geworfen dieses Jahr. Und es stimmt. Eigentlich bin ich noch so überhaupt nicht alt und eigentlich habe ich auch noch mehr als die Hälfte meines Lebens vor mir. Wie kommt es also, dass ich gerade im letzten Jahr so starke Existenz- und Zukunftsängste hatte? Wo mir doch an meinem Geburtstag immer jedermann sagt, dass mir noch alles offen steht. Wieso musste ich so sehr darum kämpfen, dass meine beruflichen Entscheidungen nicht nur von Älteren sondern auch Gleichaltrigen verstanden und nicht abgewertet wurden? Warum dachte 2017 jeder Mensch, mit dem ich mich unterhalten habe, meine Zukunftsplanung wissen zu wollen? Aber viel wichtiger: Warum waren die meisten so geschockt, dass ich keinen wirklichen Plan hatte?

Wie ihr bereits im ersten Absatz lesen konntet, hat sich im letzten Jahr eigentlich alles und das Thema Zukunft bei mir gedreht. Ich selber habe mir schon mehr als genug Gedanken darüber gemacht, aber viele Menschen, wollten einfach nicht aufhören nach Zukunftsplänen zu bohren. Am liebsten waren mir aber diejenigen, die meinten, sie könnten mir genau sagen, was ich beruflich zu tun und zu lassen hätte. Denn alleine würde ich ja offensichtlich nichts auf die Kette bekommen. Spoiler: Es hat nur mehr zu meiner Angst vor der Zukunft beigetragen und kein Stück geholfen. Aber 2017 war das Jahr wo alle besser zu wissen schienen was ich vom Leben wollte, als ich selbst.

Ich möchte diesen Blogpost gerne den Dingen widmen, die ich im vergangenen Jahr gelernt habe. Sowohl auf die leichte als auch die harte Tour. Aber da ich nicht nur meckern möchte, mein 22. Lebensjahr hat durchaus auch schöne und positive Entwicklungen mit sich gebracht, werden auch diese im Folgenden Erwähnung finden. Was ich aber zu Beginn schon sagen kann: 2017 war emotional eine Achterbahn. Guten Gewissens kann ich allerdings sagen, dass trotz all des Tohuwabohus das Jahr auf einer positiven Note geendet hat. Und auch mein 23. Lebensjahr starte ich mit etwas erfreulichen: Der Aufnahme in einer Tagesklinik. Aber dazu findet ihr demnächst in der Mental Health Monday Kolumne mehr.

„Ich habe Zeit“

Eine der wichtigsten Erkenntnisse des letzten Jahres war wohl, dass ich mich wegen meiner Zukunftsplanung nicht stressen muss. Gut, mit Freunden, die bereits mit 23 ihre Masterarbeit schreiben und abgeben und dem Druck der Familie im Rücken, man müsse sich jetzt endlich für eine Ausbildung/ ein Studium entscheiden, war diese Einsicht gar nicht so einfach. Aber dank neuer Freundschaften und auch mit der Hilfe meiner damaligen Therapeutin habe ich begriffen, dass ich mich nicht von anderen in die Ecke drängen lassen muss. Was macht es schon, wenn ich erst mit 23 in eine Ausbildung oder ein Studium starte? Dann bin ich immer noch gerade mal 25 oder 26, wenn ich ins Berufsleben starte. Für viele mag das vielleicht schon spät sein. Wenn ich jedoch auf mein bisheriges Leben zurück schaue, haben sich mir wirklich viele Steine in den Weg gelegt um die ich mich zuerst kümmern musste bzw. noch immer kümmern muss. Es ist schliesslich kein Wunder, dass ich aus psychischen Gründen zwei Studiengänge abgebrochen habe, wenn ich mich eigentlich erst meinem eigenen Wohlbefinden hätte widmen müssen.

Daher nehme ich dieses Jahr etwas lockerer in Angriff. Zwar würde ich gerne eine Ausbildung im Sommer beginnen, doch meine mentale Gesundheit geht einfach erstmal vor. Denn ich habe Begriffen, dass ich mich zwar weiterhin zu vielen Dingen zwingen kann, die andere von mir erwarten, jedoch würde ich langfristig daran zu Grunde gehen. Daher lautet die Devise: Erstmal an den akuten Baustellen werkeln und somit sicher stellen, dass ich gestärkt und gespannt in meine Zukunft blicken kann. Denn am Ende des Tages muss nur eine Person mit meinem Leben und der Art, wie ich es führe zufrieden sein. Und das bin ich.

„Familie kann man sich manchmal auch aussuchen“

Während ich diesen Artikel hier gerade verfasse, steht meine liebe Freundin Bibi mit meinem anderen Freund Martin in der Küche und es duftet schon wunderbar nach Backkartoffeln. Links von mir sitzt der liebe Lukas und bastelt fleißig. So sehen seit ein paar Monaten fast alle meine Freitag- oder Samstagabende aus. Ich verbringe sie mit den drei Menschen, die mir im letzten Jahr sehr ans Herz gewachsen sind. Und obwohl wir uns erst eine relativ kurze Zeit kennen, sind sie nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken.

Das Verhältnis zu meinem Vater ist leider bereits seit einigen Jahren nicht mehr so eng wie es eigentlich sein sollte. Ich hatte mich damit abgefunden, dass ich einfach keine wirkliche Gruppe von Menschen mehr hatte, die ich Familie schimpfen konnte. So schwer diese Einsicht am Anfang auch war, so gleichgültiger wurde mir diese Tatsache mit den Jahren. Dachte ich zumindest. Ich bin stark, ich brauche keine Hilfe von ausserhalb, ich bekomme schon alles alleine hin. Das war mein Motto in den letzten Jahren. Eine sehr schwere depressive Phase im letzten Februar bewies das Gegenteil. In dieser Zeit versuchte ich, wieder den Kontakt zu meinem Vater zu finden. Leider ohne Erfolg. Erschwerend kam hinzu, dass ich in Hamburg in den ersten eineinhalb Jahren keine wirklichen Freundschaften geschlossen hatte und mehr oder weniger auf mich allein gestellt war.

Doch immer wenn man denkt es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. So oder so ähnlich geht doch das Sprichwort? Und es könnte nicht passender sein. Mitte letzten Jahres lernte ich meine drei liebsten Chaoten kennen und lieben. Ziemlich schnell habe ich dann gemerkt, dass ich mich ihnen ohne Angst öffnen kann und immer mit Verständnis und Support rechnen kann. Und nach vier Jahren in denen ich versucht habe, so gut wie alles alleine zu bewältigen, habe ich verstanden: Zwar kann man all seine Sorgen und Ängste alleine tragen und irgendwie damit umgehen lernen, aber es ist um einiges leichter, wenn man Menschen hat, die einem helfen die Last zu tragen. Und ich kann guten Gewissens sagen, dass ich vielleicht meine biologische Familie nicht mehr habe, jedoch hier in Hamburg meine ganz eigene gefunden habe.

„Selfcare first“

Zu guter Letzt steht der wohl wichtigste Punkt, den ich letztes Jahr lernen durfte. Er resultiert mehr oder weniger aus den ersten beiden Abschnitten dieses Artikels. Und zwar durfte ich in meinem 22. Lebensjahr endlich begreifen, dass das eigene Wohlergehen an erster Stelle stehen sollte. So egoistisch sich das nun auch anhören mag, es stimmt. Ich musste auf unangenehme Weise lernen, dass ich die Zeichen meines Körpers nicht ewig ignorieren oder zurückstellen kann. Sowohl physisch als auch psychisch. Auslöser dafür waren vor allem, dass ich mir nicht eingestehen konnte, dass ich mit meiner damaligen Lebenssituation nicht zufrieden war. Ich habe Anfang letzten Jahres nich studiert obwohl ich wusste, dass es überhaupt nicht mein Fall war. Trotzdem hatte ich mir in den Kopf gesetzt das Studium abzuschliessen. Schließlich wurde das von mir erwartet, oder?

Und genau dort lag der Hund begraben im letzten Jahr. Ich hatte nur vor Augen, was anderer vermeintlich von mir erwarten würden. Mein Leben versuchte ich so zu führen, dass alle mit mir zufrieden waren. Das ich am Ende überhaupt nicht glücklich mit der Situation war, blieb auf der Strecke. Und irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich eine Entscheidung treffen musste. Entweder mache ich einfach so weiter wie bisher und riskiere damit, dass ich in einigen Jahren vor meinem Leben stehe und mich frage, was ich da eigentlich gemacht habe, oder ich vergesse was alle von mir erwarten und richte mich nach meinen eigenen Bedürfnissen und Wünschen. Glücklicherweise habe ich mich nicht zuletzt dank meiner Therapeutin und meines damaligen Freundes für letzteres entschieden. Und auch wenn der Anfang ziemlich holprig war, die meisten Menschen in meinem Umfeld waren eher weniger begeistert von der Tatsache, dass ich nun schon einzweites Studium abgebrochen hatte und mich nun erstmal meiner mentalen Gesundheit widmen wollte, bin ich heute glücklicher denn je über diese Entscheidung.

Natürlich ertappe ich mich immer noch dabei, dass ich die Erwartungshaltung die andere mir gegenüber haben zu erfüllen versuche. Allerdings fällt es mir mittlerweile um einiges leichter mich den Dingen zu widmen, die ich gerade persönlich brauche. Sei es ein langes Bad, ein Tag ganz für mich im Bett, ein Telefonat mit Freunden oder der wohl größte Schritt bisher: Mein momentaner Aufenthalt in der Tagesklinik. Zum Glück habe ich mittlerweile fast nur Menschen um mich herum, die „meine Art mein Leben zu führen“ verstehen und unterstützen. Und dafür könnte ich nicht dankbarer sein.

23 here I come

Jetzt bin ich gerade eine Woche lang 23 Jahre alt und könnte dem neuen Lebensjahr nicht gespannter entgegen schauen. Ich habe soviel Pläne und Ideen, die ich dieses Jahr noch umsetzten möchte und hoffentlich auch werde. Anderseits bin ich auch etwas nervös, da ich mich zwar mittlerweile halbwegs gewappnet dafür fühle, mich für eine Ausbildung zu bewerben, aber die Angst vor Absagen natürlich trotzdem sehr groß ist. Alles in allem war das letzte Jahr ziemlich holprig und an vielen Stellen auch vermeintlich hoffnungslos und ermüdend. Aber dank all der Dinge die ich in den vergangenen Monaten lernen durfte bin ich mir eigentlich ziemlich sicher, dass ich eine gute Basis für all die Abenteuer habe, die mich 2018 erwarten werden.

1 comment

Tschüss Januar - The Pink Flamingo Diaries 31. Januar 2018 at 12:12

[…] mich begonnen. Mit meinem 23. Geburtstag. Was ich im letzten Jahr so alles gelernt habe, habe ich hier beschrieben. Des Weiteren stand bereits zu Anfang des Jahres eine große Veränderung für mich […]

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