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Single as Fuck – Ein Hoch auf die Freundschaft

written by Miriam 11. August 2017

Hannah Rodrigo

Eigentlich wollte ich in dieser Ausgabe von Single as Fuck über ein ganz anderes Thema reden. Und zwar darüber, dass ich seit neuestem eine Bedrohung für Pärchen geworden zu sein scheine. Aber irgendwie war mir das Thema den ganzen Tag über zu negativ, allerdings konnte ich auch keinen passenden Ersatz für den Post finden. Ich zermarterte mir den Kopf darüber, denn irgendwas musste schliesslich heute online gehen. Gegen 18 Uhr hatte ich dann im Grunde aufgegeben und war bereit eine reuevolle SMS an Anni zu schreiben, weil es keinen Beitrag an diesem Freitag geben würde. Ich hatte für 19 Uhr sowieso meine Freundin Rapha zum Wein trinken eingeladen und somit überhaupt keine Zeit, mir noch etwas aus den Fingern zu saugen. Doch dann stand sie vor der Tür und ich vergass die Nachricht zu senden. Wir leerten die Flasche Wein und ich hatte den besten Abend seit langer Zeit. Ich schüttet ihr mein Herz darüber aus, wie gerne ich mich doch einfach mal wieder mit einem Mann treffen würde, nur so auf ein unverbindliches Date, denn auf eine ernsthafte Beziehung habe ich wirklich keine Lust. Rapha grinste mich über den Rand ihres Weinglas an. „Eigentlich willst du doch niemanden zum reden. Du bist nur im Bett ein bisschen einsam! Dafür brauchst du kein Date.“ Wir beide schauten uns an, prusteten los und ich begriff: Im Moment sind Freunde für mich einfach die besseren und mir allem gesünderen Dates!

Liebe ist Müll – Naja, für mich momentan zumindest

Gut, diese Erkenntnis kam mir schon vor einigen Wochen nur gab mir der gestrige Abend den Anlass dazu, diese in Worte zu fassen. Gelinde gesagt befinde ich mich gerade im alte-verbitterte-Jungfer-Stadium. Was das heißt? Kurz gesagt fehlt mir eigentlich nur noch die Schar an Katzen, um meine Transformation zu vollenden. Wenn ich durch die Stadt laufe und glückliche Pärchen sehe möchte ich ihnen am liebsten „Liebe existiert nicht!“ ins Gesicht brüllen. Auch meinen Freunden gegenüber mache ich mittlerweile kein Geheimnis mehr daraus, dass ich für den Augenblick sämtliche Hoffnung darin verloren habe, dass mir nicht doch jeder Kerl wieder weg läuft, den ich kennenlerne. Ich bin eben eine unverbesserliche Zynikerin und leidenschaftliche Pessimistin. Jegliche Artgenossen männlichen Geschlechts, die sich mir nähern, schicke ich mit einem meiner berühmten Todesblicke gestraft zurück auf die Bank. Wie zur Hölle sollte ich also in der Lage sein, jemanden zu Daten? Und doch keimt manchmal, wie eben gestern nach einer Flasche Wein, die Hoffnung, manche mögen es Sehnsucht nennen, nach einem Beziehungspartner auf. Naja oder sowas ähnlichem zumindest.

Auf lange Sicht gesehen ist das jedoch absoluter Bullshit, wenn ihr mich fragt. Ich kenne mich jetzt seit 22 Jahren und lasst mich euch eins sagen: Trostpflaster nach einer Beziehung habe ich mehr als einmal gehabt und es ist immer böse geendet. Für beide Seiten. Also muss ich meinem vermeintlichen Schrei nach Liebe anders Abhilfe schaffen. Aber wie, wenn ich mich sonst immer brav mit meinen Problemen im Bett einigle und einfach so lange Warte, bis ich völlig in Zynismus und Ignoranz versinke? Genau, mein neu entdecktes Geheimrezept lautet: Freunde! Applaus an dieser Stelle für mich, die mehr als zwei Jahrzehnte gebraucht hat, das heraus zu finden…

Ich date jetzt erstmal meine Freunde!

Seis drum. Immerhin ist es mir irgendwann aufgefallen. Mich mit Menschen zu treffen, die meine Ecken und Kanten kennen und nicht verwirrt sind von meinem Kleidungsstil oder der Tatsache, dass ich kaum auf Parties gehe, weil mir die Leute dort höllisch Angst machen, macht einfach mehr Spaß, als auf einem ersten Date die immer gleichen langweiligen Fragen zu stellen bzw. beantworten zu müssen. „Was machst du so beruflich?“, „Woher kommst du ursprünglich?“, „Was macht du in deiner Freizeit?“- bla bla bla. Und alles nur, weil ich im besten Fall nachts mal nicht alleine schlafen muss. Ist es mir das im Moment wirklich wert? Nein, das ist es wirklich nicht. „Aber Miriam!“, höre ich die Massen schreien, „irgendwann wird dir der Richtige gegenüber sitzen und dann war es das ganze dating wert.“ Mag ja sein, dass das stimmt, aber im Augenblick will ich gar nicht den Richtigen finden. Bis vor ein paar Monaten dachte ich ja immerhin noch, dass ich Mr. Perfect bereits gefunden hätte. Wie sich heraus stellte war dem nicht so. Und irgendwie möchte ich einfach keine neue Stellenausschreibung für den Job meines neuen festen Freundes heraus geben. So wichtig scheint mir die Besetzung der Stelle im Moment nämlich gar nicht.

Jetzt will ich erstmal Zeit mit zum Beispiel Anni verbringen, die immer über meine dreckigen Witze lachen kann und mit der ich mich stundenlang über Feminismus unterhalten kann. Oder mit Martin, mit dem man ganz entspannt bis nachts um 4 Uhr Bioshock zocken, dabei Pizza essen und Wein trinken kann. Oder eben mit Rapha, die einfach mal für Eis, Alkohol und schlechte Witzen abends vorbei kommt. Für mich klingt das momentan verlockender als jedes Date. Man könnte also sagen, dass ich lieber meine Freunde date.

Wirklich wahre Liebe gibt es nur unter Freunden

Man kennt doch dieses Sprichwort. Wahre Liebe gibt es nur unter Männern. Unterschreiben würde ich das so nicht, aber wenn wir das Männer durch Freunde ersetzen, komme ich damit schon eher zurecht. Es ist schon was dran an der Sache, dass Partner kommen und gehen und Freunde bleiben. Mein Herz habe ich mir jetzt schon öfter brechen lassen, aber halbwegs wieder zusammen geklebt und getapet haben es meistens meine Freunde. Mit langen Nächten in Techno Clubs in Berlin, mit Spaziergängen in der Heimat, mit Abenden auf dem Sofa mit Cocktails und Schokolade. Genau deshalb date ich gerade lieber meine Freunde. Denn wenn wir ehrlich sind, bin ich einfach noch nicht bereit für die neue Suche nach dem Richtigen. Ein bisschen was zu kleben an meinem Herzen haben meine Freunde nämlich noch.

Miriam

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