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Let’s talk about… Männer und ihre Karohemden

written by Miriam 31. Juli 2017

Am Samstag war ich mit einem Freund abends ein bisschen in der Stadt einkaufen. Er hatte sich von mir zum Geburtstag „Modegeschmack“ oder viel eher Beratung in Modefragen gewünscht. Es sei jetzt mal dahin gestellt, ob ich für sowas wirklich die richtige Person bin. Hauptsächlich rührte sein Wunsch daher, dass ich mich immer über seine Hemden lustig gemacht habe. Denn die sind so gut wie alle kariert. Kleine Karos, große Karos. Bunt oder einfarbig. Holzfäller oder casual business. So ziemlich jede Art ist in seinem Kleiderschrank vorhanden. Und je mehr Witze ich darüber gemacht habe, desto öfter viel mir auf: Sie sind überall an den Männern, diese Karos!

Seit ich angefangen habe Männer zu daten, hat mich deren Modegeschmack eigentlich nie wirklich interessiert. Solange jemand nett ist und mich zum lachen bringt, ist mir die Hemden oder T-shirt Wahl eigentlich ziemlich schnuppe. Allerdings befinde ich mich seit geraumer Zeit im Dating-Nirvana. Soll bedeuten, dass Momentan ganz glücklich bin, den ganzen Dating-Zirkus mal mit einer Tasse Kaffee in der Hand von außen zu beobachten. Und dabei eben auch die Männer. Und erschreckender Weise fällt mir dabei vor allem eins besonders auf: Die Mehrheit der männlichen Bevölkerung scheint eine unerklärliche Vorliebe für karierte Oberbekleidung zu haben! Gut, dachte ich mir, als mir diese Sonderheit zum ersten Mal aufgefallen war. Vielleicht bin ich einfach noch etwas sensibler für diese Muster, schliesslich habe ich eine sechs monatiger Beziehung mit einem Schotten hinter mir. Und glaubt mir wenn ich sage: Die Schotten lieben ihr Karo. Und zwar nicht nur auf den berühmten Röcken. Jede Couch, jede Gardine und auch die meisten Decken sind wunderbar rot oder grün kariert. Deshalb besitze ich nun auch zwei wunderbar flauschige, aber leider schrecklich gemusterte Schals und einen Pyjama.

Aber wieder zurück zu meiner Frage, ob ich vielleicht einfach nur auf alles allergisch reagiere, was mich irgendwie an Schottland erinnerte. Ich saß mit Anni bei unserem wöchentlichen Lunchdate und überlegte schon sie zu fragen, ob ich jetzt völlig verrückt werde. Doch ganz von alleine fing sie an zu erzählen, wie in letzter Zeit immer mehr Männer besessen von Karohemden zu sein schienen. Anni ist dies aufgefallen, da sich bei ihrem Freund besagte Oberbekleidung nicht im Kleiderschrank finden lässt und sie sich daher fragte, warum alle anderen Männer so auf diese Musterung abfahren. Schnell bestätigte sie mir also, dass ich noch nicht komplett verrückt geworden, sondern dass meine Beobachtung durchaus richtig war. „Hey, lass und darüber doch einen Artikel schreiben!“, schlug Anni am selben Tag noch vor, nachdem wir uns ausgiebig über die Merkwürdige Faszination für die Karomusterung um Kreise der Männer unterhalten hatten. Gesagt, getan! So dachte ich mir das zumindest. Leider viel mir Sonntag nach einem halben Tag unkreativen Herumtigerns um meinen Laptop auf, dass ich eigentlich keine Ahnung hatte, was man(n) eigentlich so toll an dem Muster findet.

Wie immer in solch verwirrenden Fragen das andere Geschlecht betreffend, wendete ich mich an meinen vertrauenswürdigen Mitbewohner. Schliesslich wusste er schon, dass wir einen Artikel für zu dem Thema Karohemden veröffentlichen wollten. Der Gute hatte uns nach mühseligem Überreden eins seiner Hemden für die Fotos zum Artikel überlassen. War ja nicht allzu schlimm. Immerhin hat er bestimmt fünf verschiedene Hemden mit dieser Musterung in seinem Schrank. Daher erschien er mir auch wie der perfekte Kandidat für ein erstes Interview zu dem Thema. Ich klopfte also am Nachmittag an seiner Tür und fragte in meiner besten „Die-kleine-Miriam-möchte-was-von-Vati-haben“ Stimme, warum er denn so viele gemusterte Hemden im Karostil besäße. Erstmal kam ein langer Seufzer und ich hörte, wie sich jemand genervt aus dem Bett rollte. „Nich schon wieder… Ich weiß langsam, dass du die Dinger nicht ausstehen kannst. Glaubst du wirklich, dass es überhaupt keine Hemden in dieser Art gibt, die dir gefallen könnten?“. Da musste ich erstmal überlegen. Als ich ein Teenager war, habe ich bestimmt mal ein bunt kariertes Hemd gehabt. Und in meiner Emophase, war sowieso alles rot oder lila/schwarz kariert. In dieser Zeit schien ich wohl noch nichts gegen dieses Muster zu haben. Doch heutzutage? Furchtbar! „Naja…“, gab ich zu, „Ich finde halt einfarbige Hemden oder Streifen einfach viel schöner an einem Mann. Von mir aus auch Punkte, oder verrückte Paisley Muster. Aber warum unbedingt Karo?“ – „Naja, glaubst du ernsthaft, dass die ersten Hemden nur eine Farbe hatten? Die waren bestimmt kariert! Denk doch an die ganzen Holzfäller. Karomuster sind in diesem Zusammenhang einfach männlich.“. Damit war unsere Unterhaltung beendet und mein Mitbewohner widmete sich wieder seiner verdienten Sonntagsbeschäftigung: Netflix.

Toll. Männlich soll das Muster also sein? Mal schauen, was das Internet dazu sagt, dachte ich mir und fragte Google nach einer Antwort auf meine Frage. Und was ist eines der ersten Ergebnisse, die auf meinem Bildschirm erscheinen? Ein Eintrag des Urban Dictionary mit dem Titel Lumbersexual. Ich möchte euch einen kurzen Auszug aus dem Wörterbuch nicht vorenthalten:

A gen y or later man whom is trying desperately to be masculine by looking the part instead of being the part, eg, dressing up like a lumberjack. This is done primarily to capture lost or missing masculinity due to being emasculated by things such as his childhood environment (effeminate father, overbearing soccer mom mother, play dates, trophies for losing…. etc.), feminism, modern urban culture, and „Sex In The City“ reruns. He tries to achieve this masculinity by mimicking real men, and in this particular case a lumberjack due to their connection to blue collar work and an outdoor workplace. (Urban Dictionary)

Für Alle, die Sarkasmus nicht riechen können: Natürlich ist das Ganze etwas überspitzt dargestellt, aber irgendwie, fand ich die These meines Mitbewohners darin bestätigt. Liegt der hohe Anteil an karierten Hemden wirklich daran, dass er vermeintlich männlicher wirkt als andere Muster? Ich schreibe dem Freund meiner lieben Freundin Leonie, die in dem ein oder anderen Post auf dem Blog bereits erwähnt wurde. Ihr Freund ist ebenfalls ein Mann, der den Karohemden freundlich gesinnt ist. Teilweise zum Leidwesen seiner Freundin, aber deshalb schien er wie der perfekte Kandidat für eine zweite männliche Meinung. Leider ist er in manchen Dingen eher wortkarg. So leider auch zum Thema Karo. Alles was ich aus ihm rausbekam war, dass er am liebsten bunt karierte Hemden trägt, weil er gestreifte und einfarbige „langweilig“ findet. Viel hat mehr Klarheit hat sich mir mit dieser Aussage leider nicht erschlossen.

Nun sitze ich hier um drei Uhr nachts und versuche mir aus all meinen gesammelten Informationen ein genaueres Bild zu kreieren. In einer Sache scheinen sich die meisten Männer einig zu sein: Fast alle mögen karierte Hemden in den verschiedensten Ausführungen. Doch warum, konnte mir niemand so wirklich sagen. Doch die Lumbersexual Theorie will mich nicht so wirklich los lassen. Sollte es wirklich sein, dass karierte Hemden mit Männlichkeit assoziierter werden? Sind gerade wir Frauen so mit unserem Feminismus beschäftigt, dass wir gar nicht sehen, dass es auch bei den Männern in Sachen Vorurteilen und vermeintlichen Geschlechterrollen noch viel zu tun gibt? Ich kann diese Frage hier leider nicht beantworten doch kann ich sagen, dass mich dieser Artikel und gerade die Recherche dazu in eine andere Richtung geführt hat, als ich eigentlich dachte. Dieser Post sollte nur ein kleiner Scherz auf die Kosten aller karoverliebten Männer sein und das ist er zum größten Teil noch. Doch möchte ich den Text mit einem etwas ernsteren Ton beenden: Liebe Frauen, wir kämpfen so hart dafür, dass wir nicht alle als Heimchen am Herd abgestempelt und in der Berufswelt endlich ernstgenommen werden. Aber dabei vergessen wir manchmal, dass das Spiel auch anders herum funktioniert. Dinge, die vermeintlich männlich sein sollen sind nämlich mindestens genauso Unsinn wie Dinge, die eher dem weiblichen Geschlecht zugeschrieben werden. Vielleicht sollten wir das im Hinterkopf behalten, wenn wir uns das nächste Mal zurecht darüber aufregen, dass weibliche Stigmata Schwachsinn sind.

Ich für meinen Teil habe meinem guten Freund beim einkaufen am Samstag zwei Hemden ohne Karomuster verkaufen können. Und was soll ich sagen? Er sieht ziemlich schnieke darin aus und gar kein bisschen weniger männlich, als in Karohemden.

Miriam

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1 comment

Mrs Unicorn 1. August 2017 at 16:35

Ich finde karo aktuell auch extrem gut. Habe nur leider noch nicht das perfekte teil gefunden 🙁

Liebe Grüße und noch eine traumhafte Woche.
Celine von http://mrsunicorn.de

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